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7 Min. Lesezeit KI

Nicht mehr suchen, sondern wollen: Wie persönliche Agenten das Web neu ordnen

Meta, OpenAI und eine Handvoll Startups kämpfen um die Vorherrschaft zwischen uns und dem Netz. Es gewinnt, wer unsere Wünsche abfängt, bevor wir überhaupt suchen.

Salut am Donnerstag

Heute geht es noch einmal um persönliche Agenten und die Zukunft des WWW. Das Gerüst der Ausgabe stammt aus Ben Thompsons Essay "Apps, Agents, and Aggregation" vom 28. September. Den skeptischen Gegenpol liefert Benedict Evans, dessen Takes ich leider nicht direkt verlinken kann, weil sie im kostenpflichtigen Archiv liegen. Das Argument zu den vertikalen Agenten stammt von MBI Deep Dives. Ich fasse ihre Gedanken zusammen und markiere, wo ich weiterdenke oder widerspreche.

Falls übrigens jemand gern einen Input von mir zu den Themen hätte, über die ich schreibe: Auf socialmediawatchblog.de/vortraege findest du jetzt alle Informationen dazu.

Merci, Martin


Was ist

💡
tl;dr: Meta, OpenAI und eine Handvoll Startups kämpfen um die Vorherrschaft zwischen uns und dem Netz. Der Hebel verschiebt sich dabei grundlegend: Nicht mehr das Finden entscheidet über Macht und Wertschöpfung, sondern wer unsere Wünsche abfängt, bevor wir überhaupt suchen. Die Ausführung übernehmen dann die persönlichen Agenten, womit das Web seine bisherige Struktur verlieren könnte.

Stell dir vor, du bittest Metas knuddeligen Agenten Muse, dir ein neues Paar Sneaker zu besorgen. Muse vergleicht, wählt das passende Modell und legt dir den Kauf zur Freigabe vor. Du tippst auf "Ja", öffnest dabei aber kein Browser-Tab, tippst keine Adresse ein und siehst auch keinen Shop von innen.

Die Folge: Die direkte Verbindung zwischen Anbietern und Kund:innen löst sich auf. Wer bisher darauf setzte, über eigene Websites, Apps oder Suchmaschinenoptimierung sichtbar zu sein, wird von einer neuen Zwischenschicht verdeckt.

Warum ist das wichtig?

Innerhalb weniger Wochen ist das Feld persönlicher Agenten geradezu explodiert:

Ob dieser Zoo an Assistenten unseren Alltag sofort umkrempelt, ist offen. Benedict Evans verweist bei Dots auf das bekannte Dilemma seit 2022: Nutzer:innen stehen oft ratlos vor einem leeren Textfeld und wissen schlicht nicht, was sie prompten sollen (Benedict’s Newsletter, #663):

I think the underlying question is that you have the same blank screen problem we’ve had since 2022, the models remain jagged and unpredictable as to what they can really do

Das strukturelle Machtgefüge dahinter verschiebt sich jedoch in einer Geschwindigkeit, die allen, die mit dem Internet arbeiten, Schweißperlen auf die Stirn treiben sollte.

Der neue Engpass: Vom Finden zum Erledigen

Um die Dimension dieser Verschiebung zu begreifen, hilft Ben Thompson. Seine Theorie dazu lautet "Aggregation Theory". Demnach formieren sich Märkte um Knappheiten. Wer die jeweils knappste Ressource kontrolliert, diktiert den Zulieferern die Bedingungen. In seinem aktuellen Essay überträgt Thompson diese Logik auf Agenten: