Salut am Donnerstag
Heute geht es noch einmal um persönliche Agenten und die Zukunft des WWW. Das Gerüst der Ausgabe stammt aus Ben Thompsons Essay "Apps, Agents, and Aggregation" vom 28. September. Den skeptischen Gegenpol liefert Benedict Evans, dessen Takes ich leider nicht direkt verlinken kann, weil sie im kostenpflichtigen Archiv liegen. Das Argument zu den vertikalen Agenten stammt von MBI Deep Dives. Ich fasse ihre Gedanken zusammen und markiere, wo ich weiterdenke oder widerspreche.
Falls übrigens jemand gern einen Input von mir zu den Themen hätte, über die ich schreibe: Auf socialmediawatchblog.de/vortraege findest du jetzt alle Informationen dazu.
Merci, Martin
Was ist
Stell dir vor, du bittest Metas knuddeligen Agenten Muse, dir ein neues Paar Sneaker zu besorgen. Muse vergleicht, wählt das passende Modell und legt dir den Kauf zur Freigabe vor. Du tippst auf "Ja", öffnest dabei aber kein Browser-Tab, tippst keine Adresse ein und siehst auch keinen Shop von innen.
Die Folge: Die direkte Verbindung zwischen Anbietern und Kund:innen löst sich auf. Wer bisher darauf setzte, über eigene Websites, Apps oder Suchmaschinenoptimierung sichtbar zu sein, wird von einer neuen Zwischenschicht verdeckt.
Warum ist das wichtig?
Innerhalb weniger Wochen ist das Feld persönlicher Agenten geradezu explodiert:
- Muse (Meta) ist in der EU zwar noch nicht verfügbar, in den USA aber seit Wochen auf Platz 1 der Appstore-Charts. (Meta, SMWB)
- Dots (OpenAI) heißt der Herausforderer aus dem Hause OpenAI. Er läuft seit dem 29. September auf Basis von GPT-6 Astra und lässt sich mit mehr als 4.000 Apps verbinden – vorerst allerdings nur in den Abos Pro, Business Premium und Enterprise. (OpenAI)
- Instinct heißt der heißeste Shice aus dem Valley, zuletzt mit zehn Milliarden Dollar bewertet. (Instinct, TechCrunch)
- Underdog wirbt damit, alle Aufgaben vollständig lokal auf dem eigenen Rechner zu verarbeiten, derzeit als Invite-only-Beta für Mac und Windows. (TechCrunch)
- Tab wird per iMessage oder WhatsApp gesteuert und verfügt über eine eigene Rufnummer, einen Rechner und eine eigene Wallet. (TechCrunch)
Ob dieser Zoo an Assistenten unseren Alltag sofort umkrempelt, ist offen. Benedict Evans verweist bei Dots auf das bekannte Dilemma seit 2022: Nutzer:innen stehen oft ratlos vor einem leeren Textfeld und wissen schlicht nicht, was sie prompten sollen (Benedict’s Newsletter, #663):
I think the underlying question is that you have the same blank screen problem we’ve had since 2022, the models remain jagged and unpredictable as to what they can really do
Das strukturelle Machtgefüge dahinter verschiebt sich jedoch in einer Geschwindigkeit, die allen, die mit dem Internet arbeiten, Schweißperlen auf die Stirn treiben sollte.
Der neue Engpass: Vom Finden zum Erledigen
Um die Dimension dieser Verschiebung zu begreifen, hilft Ben Thompson. Seine Theorie dazu lautet "Aggregation Theory". Demnach formieren sich Märkte um Knappheiten. Wer die jeweils knappste Ressource kontrolliert, diktiert den Zulieferern die Bedingungen. In seinem aktuellen Essay überträgt Thompson diese Logik auf Agenten: