Salut am Donnerstag!
Was? Ist das wirklich schon die dritte Mail diese Woche? Jupp. So ist es. Heute geht es um Mark Zuckerbergs KI-Visionen, Metas neue Gesichtscomputer und ihren neuen KI-Assistenten Muse.
Persönlich stehe ich solchen KI-Assistenten ja noch ziemlich skeptisch gegenüber. Mir behagt der Gedanke einfach nicht, dass "eine Technik" so viel über mich weiß. Es fühlt sich für mich einfach nicht gut an, dass ein intimes Protokoll meiner Sorgen, Wünsche und Bedürfnisse entsteht. Aber dazu gleich mehr.
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Martin
Was ist
Meta hat auf seiner jährlichen Veranstaltung Meta Connect neue Brillen und KI-Funktionen vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen die Meta VR Glasses, neue kamerafreie Ray-Ban Meta Audio sowie der KI-Assistent Muse.
Auch wenn mich die neuesten Specs zu KI-Brillen nicht sonderlich interessieren, ist schon bemerkenswert mit welcher Energie und welchem finanziellen Einsatz Meta darauf setzt, dass Wearables – allen voran smarte Brillen – die nächste Computer-Ära prägen werden.
Und Zuckerberg hat ja durchaus recht, wenn er im Interview mit Joanna Stern (YouTube) betont, wie absurd es eigentlich ist, dass wir diese reichhaltige, digitale Welt aufgebaut haben, und sie mehrheitlich nur über einen Bildschirm nutzen, der kaum größer ist als eine Postkarte.
Ob diese Brillen allerdings ausgerechnet von einem Unternehmen kommen müssen, dessen Bilanz beim Umgang mit Privatsphäre so ernüchternd ist, wird sich zeigen. Zunächst aber die News:
Was Meta angekündigt hat
- Meta bringt mit den Meta VR Glasses eine neue VR-Brille auf den Markt, bei der Rechenleistung, Akku und Speicher in ein separates, taschengroßes Gerät ausgelagert werden. Die Brille selbst wiegt circa 100 Gramm, soll im Frühjahr 2027 erscheinen und 1.299 US-Dollar kosten.
- Bei der neuen Ray-Ban Meta Audio verzichtet das Unternehmen auf integrierte Kameras, sie hat dafür sechs Mikrofone. Die Brille ist für Musik, Telefonate und den neuen KI-Assistenten Muse konzipiert. (Zuckerberg zufolge sei der Verzicht auf eine Kamera keine unmittelbare Reaktion auf die "Pervert Glass"-Debatte.)
- Die Ray-Ban Meta Gen 3 erhalten unter anderem eine längere Akkulaufzeit, ein schlankeres Design und eine neue Aktionstaste für Meta AI.
- Meta erweitert sein Brillenangebot zudem um ein günstigeres Modell der Meta Adventurer sowie neue Möglichkeiten zur individuellen Kombination von Fassungen, Gläsern und Etuis. Sie gehen wirklich voll rein.
- Meta arbeitet zudem daran, den KI-Assistenten Muse auf die smarten Brillen zu bringen. Muse soll dann unter anderem Workouts begleiten, Mahlzeiten protokollieren, Termine buchen und den Kauf gesehener Produkte unterstützen.
- Mit Muse Charm hat Meta ein weiteres, kleines KI-Gerät geteasert, zu dem zwar noch nicht viele Details genannt wurden. Es öffnet aber den Raum für eine neue Hardware-Rubrik: Holdables.
Warum das wichtig ist
Wearables können nur ein gutes Geschäft werden, wenn die zugrundeliegende Hard- und Software gut miteinander harmonieren. Es geht vor allem um die Frage, ob KI-Brillen künftig zur zentralen Schnittstelle zu meinem persönlichen KI-Assistenten werden. Und ob ich so einen überhaupt haben möchte.
In seiner Keynote (YouTube) knüpfte Meta-Chef Mark Zuckerberg an die Aussagen der letztjährigen Konferenz an und unterstrich, dass intelligente Brillen der Weg sein werden, mit dem das Unternehmen "Superintelligenz" für die breite Masse zugänglich machen will.
Zuckerberg glaubt, dass irgendwann die meisten Menschen eine Art intelligente Brille tragen werden, mit einem persönlichen KI-Assistenten direkt an unserer Seite – der sieht, was wir sehen, hört, was wir hören und uns ins Ohr flüstert, was zu tun ist.
All das setzt jedoch Vertrauen voraus. Vertrauen darauf, dass die Informationen, die Muse gibt, richtig sind. Und, darum soll es heute vor allem gehen: Jede/r mit einem Computer von Meta auf der Nase würde unfassbar viel über sein Privatleben preisgeben, wie das Beispiel Muse bereits heute schon zeigt.
Was Muse auszeichnet
Während KI-Anwendungen wie ChatGPT, Google Gemini oder Claude von Anthropic für viele vor allem chat-basierte Programme bleiben, die erst auf eine Eingabe hin etwas tun, sollen KI-Assistenten im Kern quasi autonom To-dos abarbeiten. Also Aufgaben selbstständig anstoßen und zu Ende bringen.
(Mir ist bewusst, dass viele Profis die Tools von ChatGPT und Co längst als Agenten nutzen. Mir geht es hier aber zunächst um den typischen Durchschnitts-User.)
Meta positioniert Muse als persönlichen KI-Assistenten, der Alltagsaufgaben im Web übernimmt: Formulare ausfüllen, E-Mails beantworten, Reservierungen tätigen, nach Schnäppchen Ausschau halten, etc.
Die App basiert auf Metas Muse-Spark-Modellfamilie und ist kostenlos verfügbar. Es gibt kostenpflichtige Abonnements für 20 oder 100 US-Dollar pro Monat, abhängig vom Nutzungsumfang. Einen Zeitpunkt für die Verfügbarkeit von Muse in der EU nennt Meta bisher nicht.
Das Versprechen verfängt: Laut Sensor-Tower-Daten kam Muse in den ersten fünf Tagen nach dem Launch am 8. September auf 730.000 Downloads. Zwei Wochen später waren es bereits über 2,5 Millionen. Damit hielt sich die App mehrere Tage an der Spitze der US-iOS-Charts vor ChatGPT. (CNBC)
Das Wall Street Journal sieht in Muse einen "instant hit", die New York Times zeigt sich "blown away", und auch Joanna Stern gibt bei Zuckerberg zu Protokoll, wie sehr sie Muse erstaunt habe (YouTube / Joanna Stern).
Soweit, so Meta. Das Growth Playbook funktioniert einmal mehr.
Aber, aber
Der KI‑Assistent ist natürlich nur so gut, wie du ihn mit Informationen "fütterst". Je mehr Muse also über dich weiß, desto weniger Nachfragen muss er stellen und desto zielgerichteter kann er handeln.
Nehmen wir das einfache Beispiel einer Tischreservierung. Du sagst Muse: Heute Abend möchte ich mit der Familie italienisch Essen gehen. In der "perfekten" Meta-Welt klärt der Assistent nicht erst alles ab, sondern erkennt die fehlenden Details und bucht dann automatisch passend. Zeitpunkt, Lokal und Rahmenbedingungen inklusive.
Allein aus so einer Anfrage müsste Muse aber zumindest teilweise wissen bzw. ableiten können:
- Wie viele Personen kommen (Haushaltsgröße, Familien-/Alltagsmuster)
- Wo du wohnst bzw. welchen Radius du nutzt (Standort, Mobilitäts- und Routinen)
- Welches Restaurant du bevorzugst (Lokalpräferenzen, Marken-/Geschmacksprofil)
- Welche Uhrzeit für dich realistisch ist (Timing, Verfügbarkeiten, wiederkehrende Essenszeiten)
Aus diesen Informationen lassen sich für Meta Interessenprofile ableiten: Welche Angebote funktionieren wahrscheinlich, welche lokalen Optionen passen, wann du besonders oft buchst und wie hoch die Zahlungsbereitschaft bzw. das Ausgabenniveau in ähnlichen Situationen vermutlich ist.
Jetzt ist aber nicht mehr 2010 und Meta weiß, dass die eigene Bilanz beim Thema Datenschutz nicht gerade Vertrauen schafft. Und dass ein Assistent, der so tief in den Alltag eingreift, nur funktioniert, wenn die Nutzer:innen ihm wirklich vertrauen. Zitat Zuckerberg (YouTube):
So, my own view on this is that we're entering a phase where trust and alignment is actually going to be the most important next set of capabilities, right?
Deshalb arbeitet Meta mit Moxie Marlinspike an einem System, bei dem Meta selbst die Daten nicht mehr auslesen kann.