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5 Min. Lesezeit Status-Update

Status-Update: Anne-Kathrin Gerstlauer

"Status-Update" ist meine neue Rubrik, in der ich herausfinden möchte, wie andere das Internet nutzen. Heute im Update: Anne-Kathrin Gerstlauer.

Salut am Mittwoch

Heute schicke ich dir die zweite Folge meiner neuen Rubrik "Status-Update", in der Kolleg:innen erzählen, wie sie das Internet nutzen. Diesmal gibt uns Anne-Kathrin Gerstlauer ein Update. Ich plane damit, dass die Rubrik circa alle 14 Tage zusätzlich zu den regulären Briefings erscheint. Empfehlungen sind gern gesehen!

Ansonsten habe ich meine Social-Media-Kanäle aufgeräumt – da hatten sich über die Jahre einfach zu viele Accounts angesammelt, die ich gar nicht mehr bespiele. Wenn du mir auf Social folgen magst, findest du mich bei LinkedIn, Bluesky und Instagram (wobei die Reihenfolge das Level an Seriosität abbildet).

Apropos Community: Hast du in den letzten Wochen mal an die Slack-Gruppe vom Social Media Watchblog gedacht? Ich überlege schon länger, ob ich die Gruppe nicht dichtmachen sollte. Die Kosten, die Slack mittlerweile dafür aufruft, eine Gruppe von gut 1000 Leuten so zu bespielen, dass sie für alle einen echten Mehrwert darstellt (Nachrichten länger als 90 Tage, etc.), würden sich auf mehrere Tausend Euro pro Monat belaufen. Ich fürchte, das lohnt sich einfach nicht mehr. Oder übersehe ich etwas?

Bis morgen, Martin


Status-Update: Wie andere das Internet nutzen | Anne-Kathrin Gerstlauer

Wer bist du und wo kann man dich im Internet finden?

Ich bin Anne-Kathrin Gerstlauer, am liebsten wäre mir, ihr würdet mich nur auf meinem Substack TextHacks finden. Auf LinkedIn bin ich, weil ich selbstständig bin. Und auf Instagram vor allem privat. Meine Website aktualisiere ich maximal ein Mal im Jahr, hier merke ich: Seit meinem Newsletter brauche ich sie kaum. Und gleichzeitig: Ihr findet mich nicht, wenn ihr in Claude oder ChatGPT nach einer "Keynote Speakerin KI und Texte" sucht. Das muss ich also mit meiner Homepage verbessern.

Credit: Janina Steinmetz

Was hat dich zuletzt im Netz zum Lachen gebracht?

"We run it like a board meeting." Dieses Reel über eine Frauen-Freundschaft, in denen sich die Leute gegenseitig Jobs verschaffen ist so relatable, wie man im Internet sagen würde.

Woran arbeitest du gerade – und was ist der Kern der Idee dahinter?

Ich schreibe den Newsletter TextHacks, das Kernprinzip: Nur Hacks, kein Gelaber. Ich teile meine Hacks für bessere Texte, mittlerweile inklusive KI-Hacks. Was ich dabei nicht mache: So automatisierst du deine Redaktion oder Marketingabteilung weg. Sondern eher: Wie können wir KI zuerst dafür nutzen, die Qualität unserer Texte zu steigern. Ich monetarisiere den Newsletter durch Paid Subscriber, Anzeigen und ein Lizenzmodell. Und gleichzeitig ist der Newsletter mein Aquise-Tool für Workshops und Keynotes.

Was war dein größter Lernmoment der letzten Wochen? Gern auch einer, der wehgetan hat.

Ich war auf einem Substack-Event in Berlin und habe dort zwei Österreicher (Substack/writebuildscale) kennengelernt, die wirklich sinnvolle Substack-Hacks teilen (also nicht Leute, die selber erst seit drei Wochen auf der Plattform sind). Und dann gecheckt, dass ich mich nicht wundern muss, dass mein Newsletter nicht konvertiert. Weil Leute überhaupt nicht wissen, wofür sie zahlen würden.

Ein hinweis in eigener sache

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Wenn du noch mal bei null anfangen würdest: Was würdest du an TextHacks sofort anders machen?

Ergo: früher ein Konzept erstellen: Was ist frei, was ist Paid. Merke selber, dass ich teilweise Angst davor habe, Sachen hinter die Paywall zu stellen, weil sich Leute dann beschweren könnten.

Mit welchen Tools oder welchem Workflow arbeitest du im Hintergrund?

Ich bin Tool-Minimalistin. Ich schreibe in Google Docs, habe ein bisschen Trello und ein bisschen Notion, aber sehr unorganisiert. Claude ist mein KI-Tool der Wahl, Ideogram nutze ich für KI-Pics, möchte ich aber wechseln. Gamma habe ich für KI-Präsentationen ausprobiert, hat mich nicht überzeugt.

Trägt sich das finanziell, was du machst? Wie stehst du generell dazu, Schreiben/Newsletter zu Geld zu machen?

Ja. Ich verdiene alleine mit dem Newsletter ca. 50.000 Euro pro Jahr. Mein Traum wäre, fast nur noch vom Newsletter zu leben. Aktuell verdiene ich aber deutlich mehr mit Workshops und Keynotes. Woran ich nicht glaube: Jeder kann mit einem Newsletter reich werden. Ich merke selber, dass die Zahlungsbereitschaft von Leser:innen nicht gigantisch groß ist, wenn sie nicht einen riesigen Vorteil haben, finanziell oder für ihr Leben. "Ein bisschen besser schreiben können" reicht da nicht. Mich nerven deshalb die ganzen Gurus, die irgendwelche Versprechungen machen: Kündige deinen Job und starte einen Newsletter.

Welches KI-Tool nutzt du inzwischen so beiläufig, dass es dir kaum noch auffällt?

Definitiv Claude. Ich versuche mich selber dran zu halten: Mindestens fünf Minuten selber denken, bevor ich das Tool anschmeiße.

Wo siehst du gerade die größte Gefahr, wo die größte Chance durch KI – speziell fürs Schreiben?

Ich bin sehr froh, dass ich Schreiben ohne KI gelernt habe. Mich durchzuquälen, Texte mit Bleistift zu markieren, den Stil von anderen zu analysieren, schlechte Texte mit 37 Metaphern zu schreiben. Gefahr sehe ich also für alle, die jetzt den Shortcut nehmen könnten und keinen eigenen Stil entwickeln. Und darin, dass die eh schon vielen mittelmäßigen Texte jetzt noch mehr werden. Chance sehe ich im Bereich Text vor allem für alle, die inhaltliche Nerds sind, aber nicht sonderlich gut schreiben können. In der Theorie auch darin, dass viel zu komplizierte Behördenbriefe mal einfacher werden könnten.

Welche Newsletter oder Blogs liest du wirklich zu Ende, statt sie nur zu archivieren?

Welche Plattform hast du zuletzt verlassen oder stark heruntergefahren? Was war der Auslöser?

Verlassen: X. Stark runtergefahren: Instagram. Mich stören die Hot Takes und polarisierten Karrussel-Postings. Auch Push-Nachrichten habe ich komplett ausgeschaltet. Und ich lese erstaunlich viel gedruckt: Zeitschriftenabos oder Sachbücher. Ich liebe meinen Bibliotheksausweis.

Merkst du, wenn dir dein Handy nicht guttut? Was machst du dann?

Ich merke es natürlich immer zu spät. Ich hätte gerne ein Instagram ohne Doomscrolling-Reels-Funktion. Ich deinstalliere Instagram regelmäßig und habe generell mein Handy während der Arbeitszeit nicht in Reichweite und auf "Nicht-Stören-Funktion".

Welches Emoji benutzt du am häufigsten – und was bedeutet es dir eigentlich?

Team Sprachnachricht statt Emoji! Der Trend geht ja dahin, Sprachnachrichten zu hassen, weil sie so lange dauern und nicht zum Punkt kommen. Ich finde: Ich möchte meine Freundschaften nicht nach Kriterien bewerten wie: Kommt zum Punkt. Für mich sind Sprachnachrichten deshalb eine super Alternative zum Telefonat, was ja eh wieder nicht klappt. Einzige No Gos: Kurzfristige Fragen, Termine, To Dos und Business-Sachen gehören nicht in Sprachnachrichten.

Was ist das simpelste Ding im Netz, das dir trotzdem noch Freude macht?

Ich liebe es, meine Bücher mit GoodReads zu tracken. Und breaking news: Man kann neuerdings halbe Sterne für Bücher vergeben! Ich werde mich nie wieder zwischen 4 und 5 Sternen entscheiden müssen…

Wer aus deinem Umfeld hat das interessanteste Internet?

Meine Freundin Gesa Mayr! Sie ist nach L.A. ausgewandert und deshalb wache ich morgens mit einer Zusammenfassung des Popkultur-Internets auf. Wenn ihr Serientipps sucht, hier entlang: gesamayr.substack.com.


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