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11 Min. Lesezeit KI

Was bleibt, wenn KI alles macht?

Wie verändert KI Journalismus, Aufmerksamkeit und Vertrauen – und was können wir tun, statt nur zu reagieren?

Was bleibt, wenn KI alles macht?

👋🏻 Neues aus der Musa

In der fünften Folge meines neuen Podcasts spreche ich mit Gregor Schmalzried über KI. Du findest das Gespräch auf YouTube, Spotify, Apple Podcast, Overcast und allen weiteren Podcast-Apps – den kompletten Überblick gibt es unter fehrensen.transistor.fm.


💡 Deep Dive

Was ist

Vor wenigen Wochen habe ich diesen Newsletter – yours truly – stark umgebaut: weniger Aggregation, mehr Analyse, mehr Persönlichkeit. Hintergrund ist eine ehrliche Sorge: dass KI in Bereichen wie News-Aufbereitung und Briefings inzwischen einfach richtig gut geworden ist. Was bleibt da noch für mich als Journalisten?

Mit meiner Sorge bin ich nicht allein. Generative KI hat 2025 endgültig den Sprung vom Spielzeug zum Arbeitswerkzeug vollzogen. Die Nutzer:innen-Zahlen sind explodiert, auch persönlich kenne ich kaum noch jemanden, der KI-Chatbots nicht für die eigene Arbeit nutzt.

Gleichzeitig zeigen sich erste Ermüdungserscheinungen: Das Wachstum von ChatGPT stagniert (WSJ), Anthropic schließt beim Umsatz auf (Handelsblatt), ChatGPT hat im Februar 2026 erstmals Werbung ausgespielt (OpenAI), die Frage nach dem Geschäftsmodell wird drängender. Mittendrin Wissensarbeiter:innen wie du und ich, die sich fragen, wie sie ihren Beruf neu denken müssen.

Ich möchte besser verstehen, was da auf mich zukommt. Für diese Suche nach Antworten ist Gregor Schmalzried ein idealer, erster Sparringspartner. Er beobachtet die Schnittstelle zwischen Journalismus und Technologie schon lange aus einer Position heraus, die weder in Panik noch in blinde Euphorie verfällt.

Wer spricht

Gregor Schmalzried ist Autor, Berater und Host des KI-Podcast der ARD. Er war 2024 einer der Wissenschaftsjournalisten des Jahres im medium magazin, hat den RIAS Medienpreis und den Kurt-Magnus-Preis bekommen. Im November 2025 ist sein Buch „Wir, aber besser" erschienen – ein bewusst optimistisches Szenario, wie KI uns kreativer und menschlicher machen kann.

Was Schmalzried interessant macht für dieses Gespräch: Er bewegt sich nicht im Modus „KI wird uns alle ersetzen" und auch nicht im Modus „alles halb so wild". Er denkt darüber nach, wie wir uns als Journalist:innen, als Creator, als Redaktionen, als Gesellschaft positionieren müssen, wenn die Kostenkurve für Inhaltsproduktion gegen Null läuft.

Hier findest du Gregor Schmalzried im Netz:

Zum Podcast

Meine wesentlichen Notizen aus unserem Gespräch

KI liefert (noch) wenig Perspektive. Schmalzrieds zentrale These zum Wert von Journalismus in der KI-Ära ist denkbar einfach: Information allein hat ihren Preis verloren. Was Menschen suchen, wenn sie sich einem journalistischen Angebot zuwenden, ist nicht der Stoff selbst — der ist im Überfluss verfügbar — sondern die Frage, aus welcher Perspektive recherchiert, ausgewählt und eingeordnet wird. Genau das kann KI, Stand heute, nicht liefern. Wer auf langfristiges Vertrauen statt auf das perfekte Produkt setzt, hat eine der robustesten Strategien überhaupt.

Was Schmalzried hier beschreibt, deckt sich mit der Barbell-Analyse aus dem Reuters Institute Trends and Predictions 2026-Report (PDF) – einer Analyse, die auch Grundlage für den Umbau des Social Media Watchblogs war (SMWB). Der Markt zerfällt in zwei Pole. Auf der einen Seite menschliche „Distinktivität“, also Journalismus, der über erkennbare Stimmen, Recherche, Haltung und Vertrauen funktioniert. Auf der anderen Seite hochautomatisierte, KI-gestützte Produktion für Geschäftsmodelle, die auf Skalierung aus sind.

Die Mitte ist tot. Schmalzried beschreibt das Mediengeschäft der KI-Ära als Scherenbewegung. Auf der einen Seite: algorithmisch-sortierte Feeds, in denen es keine Rolle mehr spielt, woher der Inhalt kommt, sondern nur, ob er performt. Auf der anderen Seite: Angebote, denen man bewusst folgt, weil hinter ihnen erkennbare Personen, Stimmen oder Redaktionen stehen — egal in welchem Format.

Beides sind aus seiner Sicht valide Wege. Der schwierigste Weg sei der, irgendwo dazwischen bleiben zu wollen. Aufmerksamkeit und Vertrauen sind unterschiedliche Geschäftsmodelle mit unterschiedlichen Logiken. Wer beides will, verliert alles.