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9 Min. Lesezeit TikTok

TikTok zensiert in Deutschland mit geheimen Filterlisten

Was ist

Eine Recherche von NDR, WDR und Tagesschau deckt auf, dass TikTok Shadowbanning betreibt. Die Plattform unterdrückt in Deutschland Kommentare, die bestimmte Begriffe enthalten. Wer den Kommentar verfasst, sieht ihn noch – für alle anderen Nutzerïnnen wird er verborgen, ohne dass die Absenderïnnen es bemerken.

Warum das Vorgehen problematisch ist

Diese Form der Moderation von Inhalten ist nicht per se verwerflich. Bei TikTok kommen aber mehrere Probleme zusammen:

  1. Das Shadowbanning war komplett intransparent. Weder in Community-Guidelines noch in Transparenzberichten findet sich ein Hinweis, dass manche Kommentare ausgeblendet werden. Nutzerïnnen konnten nicht wissen, dass diese Maßnahme theoretisch angewandt werden kann.
  2. Die Liste der gefilterten Wörter befremdet. Darunter sind Begriffe wie "LGBTQ", "queer" oder "Peng Shuai" – der Name der Tennisspielerin, die einen chinesischen Funktionär des sexuellen Missbrauchs beschuldigte und dann wochenlang verschwand (DLF). Das lässt zumindest den Verdacht aufkommen, dass der chinesische Mutterkonzern ByteDance entgegen aller Beteuerungen auch in Deutschland ein bis drei Wörtchen mitredet. (TikTok führt einen bedauerlichen Irrtum ins Feld, auf die vollständige Erklärung gehen wir weiter unten ein.)
  3. Tobias Henning, Deutschlandchef von TikTok, betont bei jeder Gelegenheit, er sei "als schwuler Mann stolz darauf, wie aktiv die LGBTQ-Community auf TikTok ist". Tatsächlich tauschen sich auf TikTok viele queere Menschen aus und erfahren dort eher Bestärkung als Diskriminierung. Wenn TikTok aber gleichzeitig Kommentare blockiert, die Wörter wie "gay", "homophob" oder "schwul" enthalten, stellt das eine krasse Text-Taten-Schere dar.
  4. Der Vorfall reiht sich ein in eine wachsende Liste mit Missgeschicken, Peinlichkeiten und nachgewiesenen Zensurmaßnahmen. Einmal ist kein Mal, zweimal ist Zufall, dreimal ist ein Muster. Bei TikTok muss man schon beide Augen kräftig zudrücken, um kein Muster zu erkennen.

Was die Recherche im Detail enthüllt

Wie TikTok reagiert

Welche Fragen offen bleiben

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Diese kurze Timeline haben wir nur schnell aus dem Gedächtnis aufgeschrieben. Sie ist unvollständig und beschränkt sich auf Zensurvorwürfe. Mit TikToks Schattenseiten bei Themen wie Datenschutz, IT-Sicherheit, Algorithmus, Desinformation, mentaler Gesundheit und Verbindungen nach China ließe sich ein ganzer Newsletter füllen.

Lange Zeit antwortete TikTok nach solchen Pannen und Skandalen: Wir sind ja noch jung, wir müssen noch lernen. Eine gute Erklärung war das noch nie. Schließlich verdiente TikTok auch damals schon viele Millionen und hätte am unrühmlichen Beispiel von Facebook lernen müssen, dass "Move fast and break things" kein gutes Motto für eine Plattform ist, die Hunderte Millionen Menschen vernetzt und gesellschaftliche Verantwortung hat.

2022 scheint TikTok sein Playbook geändert zu haben. Die Inszenierung als sympathischer Underdog funktioniert nicht mehr. Jetzt heißt es: "Wir haben Mechanismen eingerichtet, um potenziell schädliche Kommentare automatisiert herauszufiltern. Wir sind uns darüber im Klaren, dass dieses Vorgehen in diesem Fall nicht zielgerichtet genug war, und wir arbeiten mit Hochdruck daran, unser Vorgehen zu überarbeiten."

Wir haben das einmal zu oft gehört und halten es deshalb mit Faust: Die Botschaft hören wir wohl, allein uns fehlt der Glaube.


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