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8 Min. Lesezeit TikTok

TikTok „in europäische Hände legen“? Keine gute Idee

Wolfram Weimer möchte „wie die Amerikaner“ die Eigentumsfrage stellen. Das kann nur schiefgehen.

Was ist

Wolfram Weimer will TikTok europäisieren. Auf einer dpa-Veranstaltung sagte der Kultur- und Medienstaatsminister:

Bei TikTok bin ich der Meinung, wir müssen dort auch die Eigentumsfrage stellen, wie die Amerikaner. Europa sollte eine Antwort darauf finden: Wem gehört Tiktok, ob wir das nicht in europäische Hände legen sollten, im Einvernehmen mit ByteDance.

Warum das wichtig ist

Rund 170 Millionen Menschen in der EU nutzen TikTok. Das entspricht mehr als einem Drittel der gesamten Bevölkerung. Die Plattform prägt Politik, Kultur und Gesellschaft.

Im Mai 2025 verhängte die irische Datenschutzbehörde DPC ein Bußgeld von 530 Millionen Euro gegen TikTok (PDF). Das Unternehmen hat europäische Daten nach China übermittelt und damit gegen die DSGVO verstoßen. TikTok hat Berufung eingelegt, die Daten fließen weiter ab (Correctiv).

Erst vor zwei Wochen kam die EU-Kommission zum Schluss, dass TikTok seine Plattform bewusst so gestaltet, dass sie Kinder und Jugendliche süchtig macht. Das verstoße gegen den Digital Services Act.

Weimer spricht also drängende Fragen an:

Die Debatte über digitale Souveränität ist dringend nötig. Sie hat sinnvolle Anregungen, folgenlose Sonntagsreden und fragwürdige Ideen wie den digitalen Omnibus hervorgebracht (SMWB). Weimers Vorstoß fällt in die dritte Kategorie.

Warum wir skeptisch sind

Wir halten Weimers Idee für unausgegoren und unrealistisch. Dafür gibt es sechs Gründe:

1. Die USA taugen nicht als Vorbild

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2. Die Beweislage ist dünn

3. Meta ist genauso problematisch

4. Die EU hat kein Druckmittel

5. Es fehlt am politischen Willen

6. Käufer sind nicht in Sicht

Be smart

Europa muss digital unabhängiger werden. Vergangene Woche zeigte eine Studie im Fachmagazin Nature, dass die Algorithmen von X die politischen Einstellungen der Nutzerïnnen beeinflussen können. Plattformen prägen das Weltbild von Millionen Menschen, demokratische Kontrolle ist wichtig.

Dafür muss die EU aber keine Plattformen besitzen. Es reicht, Plattformen zu regulieren und Alternativen wie das Fediverse oder Bluesky zu stärken. Mit dem DSA, DMA und der DSGVO sind die politischen Instrumente vorhanden. Das ist wirksamer und vor allem realistischer als ein Zwangsverkauf von TikTok.


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Über den Autor
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Simon Berlin befasst sich seit einem Jahrzehnt mit Künstlicher Intelligenz. Inzwischen tun das alle – aber er war dabei, bevor es cool wurde. Er schreibt für die Süddeutsche Zeitung und das Social Media Watchblog. LinkedInBlueskyWebsite

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Martin Fehrensen hat das Social Media Watchblog 2012 ins Leben gerufen und ist seit 2019 hauptberuflich Herausgeber und Autor. Zuvor arbeitete er für das ZDF und „Der Spiegel“. LinkedIn | Bluesky | Website