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8 Min. Lesezeit Social Media

Nicht verbieten. Befähigen.

Zehn Thesen von Dirk von Gehlen zur Diskussion um ein Social-Media-Verbot.

Moin am Mittwoch!

Heute möchte ich noch einmal an die Ausgabe von vergangener Woche (SMWB) anknüpfen und die Frage stellen, welches Verständnis von Schutz eigentlich hinter den Forderungen nach einem Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche steckt.

Dafür habe ich ein langes Gespräch mit Dirk von Gehlen geführt, der gerade ein Buch zu diesem Thema geschrieben hat. Du findest unser Gespräch bei Spotify, Apple und allen weiteren Podcast-Anbietern oder hier bei YouTube. Da meine Podcast/Video-Ambitionen noch ganz jung und frisch sind, freue ich mich über ein Abo oder einen Kommentar – das hilft!

Merci, Martin


Was ist

Der Vergleich zwischen Meta und den US-Bundesstaaten hat die Frage nach dem Schutz von Kindern und Jugendlichen auf sozialen Plattformen einmal mehr ins Zentrum der politischen Debatte gerückt.

Kurz zur Erinnerung: Meta soll bis zu 18 Milliarden US-Dollar zahlen sowie Instagram und Facebook unter anderem durch Zeitlimits, Nachtmodus, Pausenhinweise und veränderte Voreinstellungen sicherer machen. (SMWB)

Trotz des Vergleichs wird in den USA nun weiter darüber gestritten, welche Verantwortung der Konzern für die Folgen seiner Produkte trägt. Zahlreiche Klagen sind anhängig und werden Gerichte und Meta (sowie die anderen Tech-Platzhirschen) in den kommenden Wochen und Monaten beschäftigen. (CourtListener)

Auch in Deutschland wird nach wie vor über Altersgrenzen und Verbote gesprochen.

Mich interessiert heute aber weniger die neueste (sozial-medial-inszenierte) Empörung über Meta und die nächste Forderung nach einer bestimmten Altersgrenze.

Viel interessanter finde ich, welches Verständnis von Schutz hinter diesen Forderungen steht.

Schützt man Kinder und Jugendliche am besten, indem man ihnen den Zugang zu sozialen Netzwerken möglichst lange verweigert? Oder müssen wir ihnen früher die Möglichkeit geben, digitale Räume unter geeigneten Bedingungen kennenzulernen und mitzugestalten?

Über diese Fragen habe ich mit Dirk von Gehlen gesprochen. Er hat gerade das Buch „Social Media Verbieten? Verboten!“ veröffentlicht (rheinwerk-verlag.de) – ein Plädoyer für digitale Demokratie & Medienkompetenz.

Darin beschäftigt er sich mit der Frage, wie eine digitale Gesellschaft mit den Risiken sozialer Netzwerke umgehen kann, ohne junge Menschen aus digitalen Öffentlichkeiten auszuschließen.

Für alle, die Dirk noch nicht so lange kennen wie ich: Dirk ist Journalist und Autor. Er arbeitet als „Director Think Tank“ am SZ-Institut der Süddeutschen Zeitung. Daneben schreibt er seit vielen Jahren einen sehr lesenswerten Blog (dirkvongehlen.de) und Bücher zum Medienwandel. Langjährigen SMWB-Leser:innen ist er bereits als Gast in unserer Lecture-Serie sowie als Autor mit Blick auf Netzkultur-Themen begegnet.

Dirk formuliert in seinem Buch zehn Thesen. Ich gebe sie hier verkürzt und in eigenen Worten wieder. Ich mache mir diese Thesen nicht vollständig zu eigen. Interessant finde ich sie trotzdem, weil sie vertraute Annahmen über Social Media, Kinderschutz und digitale Teilhabe infrage stellen.

💡
Verlosung: Falls du Lust hast, dich mit Dirk zu diesem Thema auszutauschen, solltest du schnell auf diese Mail antworten. Die ersten drei Rückläufer erhalten freien Eintritt zu einem Abendkurs am 8.10.2026. Alle anderen können sich mit dem Code "DVG10" zehn Prozent Rabatt sichern. Ich bitte um Verständnis, dass ich nur jenen zurückschreibe, die freien Eintritt erhalten.

( Und ja, Dirk und ich kommen uns auch ganz komisch vor, hier so einen auf Influencer zu machen, aber a) wird der Abend bestimmt richtig gehaltvoll und b) ist das vielleicht einfach doch etwas zeitgemäßer als ein Buch zu verlosen ¯\_(ツ)_/¯ )

Zehn Thesen von Dirk von Gehlen zur Debatte um ein Social-Media-Verbot

1. Die Suchtbeschreibung erklärt nicht alles

Macht Social Media süchtig? Vor Gericht wurde diese Behauptung nun jedenfalls doch nicht geklärt. Meta zahlt anscheinend lieber bis zu 18 Milliarden Dollar, als dass noch mehr Fragen zum Produktdesign gestellt werden. Sagt das nicht eigentlich schon alles?

Nun, Dirk ist da sehr viel vorsichtiger. Er weist darauf hin, dass ein eindeutiger kausaler Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung und den oft behaupteten Folgen wissenschaftlich nicht belegt ist.

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Er sieht auch, dass Plattformen Aufmerksamkeit gezielt binden, soziale Vergleiche verstärken und bestimmte Nutzungsweisen fördern können. Das als „Sucht“ zu framen, legt aber nahe, dass Abstinenz nun mal die einzige Lösung sei.

Dirk hält es daher für sinnvoller, zwischen unterschiedlichen Formen der Nutzung zu unterscheiden. Soziale Netzwerke können einem schaden, sie können aber auch dem Austausch mit Freund:innen und der Meinungsbildung dienen.