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9 Min. Lesezeit Meta

Was wir aus dem Meta-Verfahren für die KI-Debatte lernen können

Während Gerichte gerade klären, welchen Schaden Social Media angerichtet hat, zieht KI längst in unsere intimsten Lebensbereiche ein.

Moin aus Göttingen!

Eigentlich wollte ich heute ganz entspannt über mein Gespräch mit Christoph Koch schreiben. Der hat nämlich ein sehr lesenswertes Buch darüber geschrieben, wie künstliche Intelligenz unsere Beziehungen verändert. Dann hat mich die Realität eingeholt und mir eindrucksvoll vor Augen geführt, warum wir als Gesellschaft bei KI nicht im selben Blindflug unterwegs sein sollten wie bei Social Media. Feedback ist wie immer willkommen.

Merci, Martin


Hinweise, Pushbacks und Lesetipps gern per Reply oder via Signal: martone.01.


Was wir aus dem Meta-Verfahren für die KI-Debatte lernen können

Was ist

Was der Vergleich konkret vorsieht

Wichtige Einschränkungen:

Was verändert Meta konkret?

Alle Maßnahmen werden in Metas Blogpost aufgeführt. Hier meine Zusammenfassung:

Was wir daraus für die KI-Debatte lernen können

Die Verfahren gegen Meta und Co laufen erst jetzt so richtig heiß. Dabei sind ihre Plattformen bereits seit mehr als einem Jahrzehnt integraler Bestandteil unseres täglichen Miteinanders. Genau dieses Muster droht sich bei KI zu wiederholen. Das Tempo, mit dem KI-Produkte im Alltag Fuß fassen, ist allerdings noch einmal deutlich höher.

KI-Chatbot sind längst nicht mehr nur Arbeitswerkzeug, sondern Freund:in, Therapeut:in, Kumpel, Lebensplaner oder romantische:r Partner:in.

Genau darüber, wie künstliche Intelligenz unsere Beziehung verändert, hat Christoph Koch ein spannendes Buch geschrieben: In „Hallo, wie fühlst du dich heute?“ zeigt Christoph, wie KI immer mehr zum emotionalen Gegenüber wird und was diese Nähe zu Maschinen über die Zukunft menschlicher Beziehungen aussagt.

Im Gespräch mit Christoph (YouTube, Spotify, Apple Podcast, Transistor) ist mir klar geworden, dass wir nur sehr wenig Zeit haben, um die Fehlentwicklungen, die wir bei Social Media als Gesellschaft in Kauf genommen haben, bei KI nicht zu wiederholen.

Wie sich Social Media und KI-Chatbots ähneln und wo sie sich unterschieden

Bei der Klage gegen Meta ging es um süchtigmachende Designs, respektive um die Versuche, Nutzende möglichst lange auf der Plattform zu halten. Schauen wir uns doch einmal an, wie einerseits bei Social Media und andererseits bei KI Bindung zur Plattform hergestellt wird:

Social Media

KI-Chatbots

Oder wie Christoph Koch sagt:

Wir füttern teilweise unsere intimsten Gedanken, Wünsche, Ängste rein. Es entsteht dadurch eine Datenbank und ein Wissen über uns Nutzende. Da ist Facebook ein Klacks dagegen.

Was ich im Gespräch mit Christoph Koch über KI gelernt habe:

Be smart

Beim Vergleich zwischen Meta und den US-Bundesstaaten wurde die Einrichtung einer unabhängigen Stiftung für Social-Media-Forschung vereinbart. Meta soll der Stiftung (mit Zustimmung der Nutzer:innen) Daten für unabhängige Forschung zum Wohlbefinden von Jugendlichen zur Verfügung stellen.

Zudem soll ein unabhängiger Prüfer fünf Jahre lang jährlich kontrollieren, ob Meta die Vereinbarung einhält. Das sind gute erste Schritte. Mehr Daten für unabhängige Forschung stehen für mich seit Jahren ganz, ganz oben auf der Prioritätenliste.

Der Digital Services Act (DSA) sieht ja auch für sehr große Online-Plattformen und Suchmaschinen grundsätzlich Datenzugang für unabhängige Forschende vor (siehe Artikel 40 DSA).

Dieser Zugang ist allerdings auf bestimmte Forschungszwecke begrenzt, insbesondere auf die Untersuchung systemischer Risiken und die Bewertung von Gegenmaßnahmen. In der Praxis ist das Verfahren zudem mit erheblichen rechtlichen, technischen und institutionellen Hürden verbunden. Auch haben die Plattformen, salopp gesagt, eher wenig Interesse daran, sich hier als allerbester Partner zu präsentieren. Zumindest berichten mir das immer wieder Wissenschaftler:innen, die sich um Datensätze bemühen.

ChatGPT, Gemini und Claude sind zudem bislang nicht als eigene sehr große Online-Plattformen oder Suchmaschinen im Sinne des DSA eingestuft worden. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass jede Funktion dieser Dienste außerhalb des DSA steht. Einen Anspruch auf die Herausgabe von Chatverläufen oder anderen internen Daten schafft der DSA für diese Dienste jedoch nicht.

Der AI Act wiederum sieht einen solchen allgemeinen Forschungszugang ebenfalls nicht vor. Er reguliert vor allem die Anbieter, Modelle und Systeme, nicht den unabhängigen Zugang zu ihren Nutzungsdaten.

Wenn wir nicht einen ähnlichen Blindflug wie bei den sozialen Netzwerken erleben wollen, wird es höchste Zeit, dass die Politik klärt, unter welchen Bedingungen unabhängige Forschende Zugang zu relevanten Daten von KI-Anbietern erhalten können.

Produktdesign, Geschäftsmodelle und Wirkungen müssen frühzeitig untersucht und reguliert werden. Und zwar bevor die gesellschaftlichen Folgen vollständig sichtbar sind.


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