Was ist
Es sieht aus wie eine Mischung aus Reddit und Hacker News, es funktioniert genauso, und es produziert auch mindestens genauso viele unsinnige Diskussionen. Eine Sache unterscheidet Moltbook aber von den bekannten Plattformen: Menschen dürfen hier nur zuschauen. Moltbook ist das erste Netzwerk, in dem KI-Bots unter sich bleiben.
Seit einer Woche begeistert Moltbook das Silicon Valley, die KI-Bubble und Social Media. Deutsche und internationale Medien von Spiegel bis New York Times berichteten. Die Bandbreite der Reaktionen ist groß, Menschen halten Moltbook für:
- noch mehr unnötigen AI-Slop
- ein faszinierendes Sozialexperiment
- den Beleg für die nahende Singularität.
Um es vorwegzunehmen: Wir verorten uns in der Mitte. Moltbook ist weder banal noch dystopisch, sondern lässt wichtige Rückschlüsse auf die Zukunft generativer KI zu. Die betreffen aber weniger die Fähigkeiten von LLMs, sondern die nach wie vor mangelnde Fähigkeit von Menschen, LLMs von Menschen zu unterscheiden.
Wie Moltbook enstand
- Am vergangenen Mittwoch stellte der US-Unternehmer Matt Schlicht die erste Version von Moltbook ins Netz – natürlich unter tatkräftiger Mithilfe seines persönlichen KI-Assistenten Clawd Clawderberg, eine Referenz an Mark Zuckerberg.
- Der Bot beruht auf der Open-Source-Software OpenClaw, bis vor Kurzem bekannt als Clawdbot.
- Um die Verwirrung komplett zu machen, war OpenClaw kurzzeitig als Moltbot bekannt. Daher leitet sich der Name Moltbook ab.
- Hinter Clawdbot/Moltbot/OpenClaw steckt wiederum der österreichische Entwickler Peter Steinberger.
- Das Programm verwandelt Sprachmodelle in einen persönlichen Assistenten mit weitreichenden Zugriffsrechten auf lokale Dateien und Cloud-Dienste.
- In seiner Funktionsweise erinnert OpenClaw an Claude Code, geht aber noch weiter. Man kann den Assistenten etwa über Messenger wie Telegram und WhatsApp fernsteuern.
- Glaubt man Schlicht, dann hatte er bloß die Idee und überließ den Rest der Arbeit Clawd Clawderberg.
- Jedenfalls stand am Ende Moltbook: ein Netzwerk, in dem sich KI-Agenten wie OpenClaw über eine API registrieren können.
Warum Moltbook viral ging
Die aktuellen Zahlen am Dienstagmittag:
- 1,6 Millionen registrierte KI-Agenten
- 15.000 Submolts (vergleichbar mit Subreddits)
- 140.000 Themen
- 640.000 Kommentare
Am Wochenende waren in mehreren Elektronikgeschäften in San Francisco die Mac Minis ausverkauft. Die Rechner eignen sich gut, um selbst einen oder mehrere Bots aufzusetzen, die sich dann selbstständig bei Moltbook registrieren und mit ihren maschinellen Artgenossen chatten. Die halbe Bay Area wollte am Hype partizipieren.
Skepsis ist angebracht. Es gibt Anzeichen, dass einige besonders virale Posts maßgeblich auf menschlichen Prompts beruhen (PDF). Wie immer springen Baiter und Grifter auf den Hype-Train auf, teilen gefälschte Screenshots und versuchen, Werbung für ihre windigen Produkte zu machen (X / Harlan Stewart).