Zum Inhalt springen
9 Min. Lesezeit KI

Lass die Finger von KI, wenn

Warum es einen allgemein akzeptierten KI-Knigge braucht.

Was ist

Wie würdest du reagieren, wenn wir sagen, dass dieses Briefing künftig von KI geschrieben wird?

Wir können zumindest sagen, was unser erster Gedanke wäre: Wo ist der Unsubscribe-Button?

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Eine unserer Grundregeln im Umgang mit generativer KI lautet: Wir schreiben jedes Wort selbst. Das schulden wir den tausenden Menschen, die für unsere Newsletter zahlen.

Das schulden wir aber auch uns selbst. Denn beim Schreiben geht es nicht nur darum, Informationen zu vermitteln. Der gesamte Rechercheprozess – Lesen, Recherchieren, Reflektieren, Strukturieren, Schreiben – führt zu Verständnis und Klarheit. Das ist mühsam, und Shortcuts wirken verlockend. Leider führen sie in Sackgassen.

Warum erzählen wir dir das?

In den vergangenen Tagen haben wir zwei großartige Essays gelesen, die ein Thema behandeln, das uns seit Langem beschäftigt:

Beide hinterfragen das Effizienzversprechen von Technologie im Allgemeinen und generativer KI im Besonderen. Natürlich können Sprachmodelle viele Aufgaben schneller und manche auch besser erledigen als Menschen – aber ist das überhaupt wünschenswert? Was geht verloren, wenn wir Denken und Schreiben, Lernen und alles, was Mühe macht, an Maschinen auslagern?

Im vergangenen Sommer schrieb Jürgen „tante“ Geuter über Sprachmodelle, die sämtliche Interaktionen reibungs- und mühelos machen – aber auch seelenlos:

Und am Ende fühlt es sich so an, als sei dies das narrative Versprechen von „KI“: Nie wieder von irgendjemandem berührt werden zu müssen. Nicht von den Menschen, die man derzeit vielleicht noch beschäftigen muss, um sein Unternehmen am Laufen zu halten. Nicht von den Nachbarn, die vielleicht Autos von der Straße entfernen wollen, während man selbst nur schnell vor dem eigenen Haus parken möchte, um flinker hineinzukommen. Nicht von der Umwelt selbst, die einem ständig die Konsequenzen des eigenen Handelns als Mitglied dieser Spezies vor Augen führt. Von gar nichts.

Die Utopie der „KI“ ist die Dystopie, niemals von irgendetwas berührt zu werden.

Oft verlinken wir nur als Quellennachweis. In diesem Fall ist das anders. Wir empfehlen dir dringend, alle drei Texte zu lesen. Gerade weil sich Sprachmodelle so schnell weiterentwickeln und die Möglichkeiten theoretisch grenzenlos sind, empfinden wir solche Überlegungen als essenziell.

Darauf aufbauend möchten wir einige Vorschläge für eine KI-Etikette machen. Wir befürchten, dass die Slop-Welle erst ihren Anfang nimmt und in den kommenden Jahren nicht nur das Netz, sondern auch berufliche und private Kommunikation fluten wird. Umso wichtiger sind einige Grundregeln.

Bitte lass die Finger von KI, wenn …

Du Freundinnen oder Bekannten schreibst

Du mit Kollegïnnen kommunizierst

Menschen nicht eingewilligt haben, KI-Inhalte zu empfangen

Der Prozess Teil des Ergebnis ist

Die Antwort richtig sein muss


Politics & Power

Manchmal verdichten sich Ereignisse so, dass man das Gefühl hat: Jetzt kippt etwas. Diese Woche könnte so eine sein. Drei Prozesse gleichzeitig, entsiegelte interne Dokumente, eine geleakte E-Mail von Mark Zuckerberg und überall dieselbe Erkenntnis: Die Plattformen haben nicht versagt. Sie haben funktioniert. Nur eben nicht primär im Sinne der Nutzerïnnen.

In other news


Attention Economy



Neue Features bei den Plattformen

ByteDance

Spotify

Snapchat

Bluesky


Noch kein Mitglied?

Wir fassen zweimal pro Woche die Nachrichten und Debatten rund um Social Media, Tech und KI zusammen. Unser Anspruch: Wenn du unser Briefing liest, erfährst du nicht nur alles, was wichtig ist – sondern verstehst es auch.

Garantiert kein Slop, jederzeit kündbar.

Jetzt Mitglied werden
Über den Autor
CTA Image

Simon Berlin befasst sich seit einem Jahrzehnt mit Künstlicher Intelligenz. Inzwischen tun das alle – aber er war dabei, bevor es cool wurde. Er schreibt für die Süddeutsche Zeitung und das Social Media Watchblog. LinkedInBlueskyWebsite

Über den Autor
CTA Image

Martin Fehrensen hat das Social Media Watchblog 2012 ins Leben gerufen und ist seit 2019 hauptberuflich Herausgeber und Autor. Zuvor arbeitete er für das ZDF und „Der Spiegel“. LinkedIn | Bluesky | Website