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8 Min. Lesezeit Journalismus

Jetzt nimmt Google Medien auch noch die Überschriften weg

Google ersetzt die Titel der Links in der Suche eigenmächtig durch KI-Slop. Das geht zu weit.

Was Christian Ulmen laut den Vorwürfen seiner Ex-Frau Collien Fernandes getan haben soll, löste in den vergangenen Tagen Entsetzen und eine breite öffentliche Debatte aus. Fernandes nennt es eine „virtuelle Vergewaltigung“. Jahrelang kämpfte sie gegen gefälschte Nacktfotos, Deepfakes und Fake-Profile – um am Ende festzustellen, dass ihr Mann der mutmaßliche Täter ist.

Der Einzelfall an sich ist schrecklich genug. Doch dahinter verbirgt sich ein größeres Problem: Wer von digitaler Gewalt betroffen ist, wird oft nicht ernst genommen und allein gelassen. Trotz aller Warnungen und Appelle ist bildbasierte sexualisierte Gewalt immer noch nicht strafbar. Viele Täter kommen ohne Konsequenzen davon.

Das muss sich ändern. Mit jahrelanger Verspätung ist das Thema endlich in der deutschen Politik angekommen. Der aktuelle Vorschlag von Justizministerin Stefanie Hubig ist ein Schritt in die richtige Richtung – kann aber nur ein Anfang sein (Digitalrechte, Netzpolitik).

Bei den Oscars sagte der Dokumentarfilmer David Borenstein über Russland (und implizit auch über die USA):

You lose your country through countless small little acts of complicity.

Das geschieht nicht nur in der Politik. Ignoranz und Wegschauen sind im privaten Umfeld genauso gefährlich. Wenn wir Männer wollen, dass unsere Gesellschaft gerechter wird, müssen wir selbst den Mund aufmachen.

Das beginnt im Freundeskreis oder bei der Arbeit. Wenn ein Kollege etwas Unangemessenes sagt, darf es nicht an der Frau hängenbleiben, ihn darauf hinzuweisen. Wir hoffen, dass der Mut von Collien Fernandes mehr Männer dafür sensibilisiert.


Jetzt nimmt Google Medien auch noch die Überschriften weg

Was ist

Dieses Briefing heißt:

Jetzt nimmt Google Medien auch noch die Überschriften weg

Wir geben unseren Newslettern keinen separaten SEO-Titel. In der Google-Suche müsste also die gleiche Zeile auftauchen.

Vielleicht steht dort aber:

Google streitet mit Verlagen um Überschriften

Oder:

Überschriften in der Google-Suche: KI schreibt neu

Genau solche Eingriffe haben Journalistïnnen von The Verge in den vergangenen Monaten mehrfach beobachtet. Zwei Beispiele:

Die erste Zeile klingt fast nach einer Werbung für ein Produkt, das nutzlos ist – wie es die ursprüngliche Überschrift sofort verdeutlicht. Im zweiten Beispiel nimmt KI dem Original jegliche Originalität.

Zugegeben: Manche Überschriften und SEO-Titel sind langweilig oder irreführend. Wenn Google Clickbait durch nüchterne Beschreibungen ersetzt, ist das im Sinne der Nutzerïnnen.

Oft grübeln Autorinnen und Redakteure aber lange, wie man Menschen neugierig machen kann, ohne falsche Erwartungen zu wecken. Dass sich Google anmaßt, die Arbeit von Menschen durch banalen KI-Slop zu ersetzen, zeugt von Geringschätzung für Journalismus.

Warum das wichtig ist

Google ist nach wie vor die wichtigste Webseite der Welt. Millionen Webseiten sind auf den Traffic angewiesen, viele Medien und Unternehmen könnten ohne die Suchmaschine nicht überleben.

Das Problem: Google ist schon lange keine reine Suchmaschine mehr, sondern beantwortet viele Fragen selbst (SMWB). Seit 2021 führt mehr als die Hälfte der Google-Suchen zu keinem weiteren Klick – mit weitreichenden Folgen für den Rest des Webs.

Generative KI hat diesen Trend massiv beschleunigt (SMWB). AI Overviews und AI Mode verwandeln die Websuche, die sich einst als Wegweiser verstand, in ein geschlossenes Ökosystem (SMWB). Auf die berechtigten Sorgen vieler Medien reagierte Google bislang mit ausweichenden Antworten (SMWB).