Was ist
In den vergangenen Wochen haben wir viele Texte über KI gelesen (Überraschung!) und uns dabei häufig geärgert. Leider folgt der Diskurs meist der Funktionslogik sozialer Medien: Die lautesten Stimmen erhalten die meiste Aufmerksamkeit.
Das möchten wir mit diesem Briefing ändern. Wir haben mehrfach erklärt, warum uns die oberflächliche Debatte nervt:
Heute bieten wir eine Bühne für andere. Während Hype, Dystopie und Realitätsverweigerung viral gehen, geht Differenzierung allzu oft unter. Es gibt diese Perspektive aber, sowohl in großen Medien als auch in kleinen Blogs.
Wir empfehlen Analysen und Essays, die uns geholfen haben, besser zu verstehen, welche Auswirkungen generative KI auf die Gesellschaft haben könnte. Denn egal, was man davon hält, lässt sich eines nicht mehr leugnen: Sprachmodelle sind keine Zukunftstechnologie, sondern haben die Welt bereits verändert – und das ist erst der Anfang.
Was viral ging
85 Millionen. So viele Views weist X für den Essay „Something Big Is Happening“ aus, den der KI-Unternehmer Matt Shumer vor zwei Wochen auf der Plattform teilte. Nun bedeuten Views nicht automatisch Lektüren, und natürlich sollte man den Metriken aller Plattformen misstrauen, allen voran X.
Trotzdem kann man mit großer Sicherheit sagen: Der Text, den Shumer in einer besser lesbaren Form auch auf seinem Blog veröffentlicht hat, hat viele Menschen erreicht. Vielleicht zu viele.
Einerseits ist die Wirkung verständlich. Shumer vergleicht die aktuelle Situation mit dem Februar vor sechs Jahren. Anfang 2020 warnten ein paar Menschen vor einem Virus in Asien, aber die breite Öffentlichkeit nahm noch keine Notiz. Wenige Wochen später war die Welt eine andere. Glaubt man Shumer, dann ähneln sich KI und Covid: Nur wenige verstehen den Ernst der Lage, und die Folgen werden gewaltig sein.
Andererseits begeht Shumer einen weitverbreiteten Fehler. Er verallgemeinert seine eigenen Erfahrungen als Entwickler, überträgt sie auf alle anderen Berufe und leitet daraus radikale Vorhersagen ab. Zudem sollte man bei Shumer generell vorsichtig sein: Er neigt zu großspurigen Ankündigungen und Versprechungen, die seine Start-ups nicht einhalten können (Venture Beat). Manche bezeichnen ihn als Betrüger (Hacker News).
Der zweite virale Text überschreitet dann vollends die Grenze zur Fiktion. In „THE 2028 GLOBAL INTELLIGENCE CRISIS“ skizziert das Unternehmen Citrini Research ein Zukunftsszenario, in dem KI Massenarbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise ausgelöst hat. Kurz darauf verloren die Aktien vieler Tech- und Software-Unternehmen drastisch an Wert (Bloomberg). Die Nervosität ist groß.
Dankenswerterweise haben sich andere Menschen die Mühe gemacht, die Prognose als das zu entlarven, was sie ist: eine Schauergeschichte ohne Substanz. Hier sind gute Entgegnungen: