Was ist
Acht Jahre lang haben Simon und ich beim Social Media Watchblog alles in der Wir-Form veröffentlicht. Das ändert sich nun. Simon verlässt das Social Media Watchblog Ende März – aus einem guten Grund und als Freund. Warum, erzählt er weiter unten selbst.
Wie es weitergeht
Simons Abgang ist der Anlass, aber nicht der Grund, warum sich das Social Media Watchblog verändert. Als wir vor mehr als 1000 Ausgaben anfingen, war die Medienwelt eine andere: Es gab nahezu keine Berichterstattung an den Schnittstellen von Social Media und Politik. Kaum eine Institution hatte feste Social-Media-Teams. Erst recht gab es keine KI-Workflows, die automatisiert Neuigkeiten zu allen möglichen Themen aggregieren und aufbereiten.
Heute verkommen News zur austauschbaren Ware, KI hat auf alles eine Antwort. Jede lokale Tageszeitung berichtet, wenn sich Elon Musk einmal mehr menschenverachtend äußert. Die bloße Information findet man fast überall, und der Erkenntnisgewinn ist oft überschaubar.
Was in dieser neuen Medienwelt zählt, sind Haltung, Analyse, Orientierung und Persönlichkeit. Nachrichten gibt es überall, Einordnung nicht.
Ich möchte einen Newsletter schreiben, der diesen Veränderungen gerecht wird. Weg von einer Ökonomie der Reichweite hin zu einer Ökonomie der Resonanz.
Neuer Erscheinungsrhythmus
Vom 9. April an erscheint der Newsletter jeweils am Donnerstagmorgen. Das fühlt sich nach einer Verkleinerung des Angebots an. Aber die alte Struktur hatte entscheidende Schwächen: Die News am Dienstagnachmittag stammten oft aus der Vorwoche. Die Analysen am Nachmittag kamen zu einem Zeitpunkt, an dem kaum jemand die Ruhe hatte, sich wirklich darauf einzulassen.
Der neue Erscheinungsrhythmus verdichtet das Angebot. Kein Mensch benötigt dieser Tage „noch mehr zu lesen“. Der Kern bleibt bestehen: Einordnung und Vertrauen. Ich möchte dir dabei helfen, den Wandel der digitalen Öffentlichkeit zu verstehen. Und das mit dem besten Newsletter, den ich schreiben kann.
Hier ist die genaue Timeline für die kommenden Wochen: Bis zum 31.3. veröffentlichen wir das Briefing im gewohnten Di-Do-Rhythmus. Vom 1.4. bis zum 6.4. bleibt der Laden zu. Nach Ostern erscheint der Newsletter im neuen Rhythmus.
Günstigere Preise
Im Dezember 2025 haben wir zum ersten Mal unsere Preise erhöht. Seit dem 1. Januar 2026 kostet eine neue Mitgliedschaft 120 Euro im Jahr oder 12 Euro im Monat. Mitglieder, die schon vorher dabei waren, sollten einheitlich auf einen Preis von 99 Euro pro Jahr oder 9 Euro im Monat gehoben werden.
Unsere damaligen Überlegungen und die neuen Preise fühlen sich mit Blick auf die anstehenden Veränderungen nicht mehr passend an. Eine Ausgabe pro Woche braucht eine Preisstruktur, die dazu passt.
Ich führe daher eine neue Preisstruktur ein:
- Mitglied: 60€/Jahr bzw. 6€/Monat.
- Unterstützer:in: 99€/Jahr bzw. 9€/Monat, plus ein Gastzugang inklusive.
- Team: 600€/Jahr bzw. 60€/Monat, insgesamt elf Zugänge.
Hier geht es zu den neuen Paketen: steady.page/de/socialmediawatchblog
Wichtig: Alle erhalten das Gleiche. Es gibt keine zusätzlichen Features, wenn man mehr zahlt. Ich möchte Mitglieder nicht unterschiedlich behandeln, je nachdem, wie viel sie sich leisten können. Lediglich die Anzahl der E-Mail-Adressen, die hinterlegt werden können, unterscheidet sich von Paket zu Paket.
Was die neue Preisstruktur für dich bedeutet:
Für Steady-Mitglieder:
- Ich freue mich natürlich sehr, wenn du in deinem Paket bleibst. Als Dankeschön für die Treue enthält deine Mitgliedschaft nun ebenfalls eine kostenlose Gastmitgliedschaft, die du einem Freund, einer Kollegin, einem Bekannten oder Verwandten anbieten kannst. Ich habe das bereits für dich freigeschaltet, du kannst direkt jemanden einladen. Wie das genau funktioniert, wird hier erklärt. So wird aus deinem Abo für dich, ein Abo für zwei.
- Wenn dir dein aktueller Preis zu hoch erscheint für das, was ich künftig anbiete, kannst du zum Ende der aktuellen Laufzeit in das neue günstigere Paket wechseln. Hier steht, wie der Wechsel funktioniert. Falls du gerade erst eine Mitgliedschaft gekauft hast und die Laufzeit noch entsprechend lang ist, melde dich direkt bei mir. Ich helfe gern.
Für Team-Abos:
- Wenn du diesen Newsletter über deinen Arbeitgeber liest, ändert sich für dich erst einmal nichts. Falls du den Newsletter jemandem empfehlen möchtest: Wir haben neue Preise für Einzelmitglieder – die Details findest du oben.
- Bei Firmenkunden melde ich mich persönlich, bevor die nächste Verlängerung ansteht. Einige Team-Abos enthalten nach der neuen Preisstruktur mehr Zugänge als bisher – falls das auf euch zutrifft, schalte ich die zusätzlichen Plätze gern jetzt schon frei. Einfach bei mir melden.
Für freie Leser:innen
- Falls du noch gar kein Mitglied bei uns bist: Heute ist ein sehr guter Tag dafür! Ich würde mich sehr freuen, dich mit einer Mitgliedschaft begrüßen zu dürfen.
Was du bekommst
News und Analysen bleiben der Kern des Angebots. Bei den News werde ich jedoch künftig noch stärker selektieren. Ich kann und will nicht mehr jedes neue Feature abbilden. TikTok kann jetzt auch fünfminütige Videos? Okay. Nice. Aber ist das 2026 wirklich noch eine Nachricht, für die Menschen in einem Newsletter bezahlen? Ich meine, nein.
Für wichtiger als den Pseudo-Anspruch auf Vollständigkeit halte ich die Selektion und Einordnung. Tangiert die Nachricht den Wandel der digitalen Öffentlichkeit? Dann hat sie gute Chancen, im Newsletter zu landen. Nein? Dann spare ich dir und mir die Zeit und Mühe.
Grundsätzlich werden die Briefings weiter einen wochenaktuellen Bezug haben. Allerdings möchte ich auch andere Themen setzen können. Das kann mal eine sehr grundsätzliche These sein, wie zuletzt im Briefing „Warum die Obsession mit Reichweite aufhören muss“. Oder ein Gespräch mit Expert:innen aus der Leserschaft.
Next steps
Mir fällt der Abgang von Simon nicht leicht. Ich hätte mir keinen besseren Kollegen für die Reise der vergangenen acht Jahre malen können. Wir sind über die Jahre echte Freunde geworden. Gerade deshalb wünsche ich ihm für den nächsten Schritt nur das Beste!
Jetzt schlage ich mit euch ein neues Kapitel auf. Ich freue mich sehr auf die kommenden Monate und bin jederzeit ansprechbar – am besten per Mail: martin@socialmediawatchblog.de
Simon says
Am 18. Dezember 2013 hat mir Martin eine E-Mail geschickt, die mein (Berufs-)Leben verändert hat. Ich möchte kurz daraus zitieren:
Zunächst einmal cool, dass Du Dir das vorstellen kannst. Ich habe das Gefühl, dass das echt gut passen könnte. (…) Ich schätze Dich und Deine Tweets, weil sie mir zeigen, dass Du eine kritische Grundhaltung hast und Dich die gleichen Themen bewegen wie mich.
(…)
Wir haben auf Twitter 1520 Follower.
Wir haben auf Facebook 1036 Fans.
Wir sind auf Google+ immerhin von 109 Personen eingekreist.
(…)
Das Blog soll vorerst nicht monetarisiert werden. Wenn es (wieder) gut läuft, kann man darüber nachdenken, wie wir da auch ein paar Euro für uns rausholen.
Seitdem ist viel passiert:
- Martin und ich haben wunderbare Frauen geheiratet und jeweils ihren Namen angenommen. (Falls sich noch jemand erinnert: Wir hießen mal Giesler und Hurtz.)
- Twitter, Facebook und Google+ lösen sentimentale Erinnerungen aus.
- Es lief dann (wieder) gut. Wir haben nicht nur ein paar Euro verdient, sondern ein Hobbyprojekt in ein kleines, aber professionelles Medienunternehmen verwandelt.
Für die gemeinsamen zwölf Jahre bin ich unglaublich dankbar und auch ein wenig stolz. Wir haben Newsletter geschrieben, bevor Newsletter cool wurden, haben die Macht der Plattformen gecovert, bevor das Thema in großen Medien angekommen ist, und wir haben uns mit KI beschäftigt, bevor das alle getan haben.
Ich möchte aber niemanden mit Rückblicken langweilen, sondern meinen Blick auf die Gegenwart und Zukunft richten. Dabei sind mir drei Klarstellungen wichtig:
1. Ich gehe im Guten und mit großer Wehmut
Wenn Menschen ihren Job verlassen, sagen sie oft: „Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen.“ Und meinen: „Endlich bin ich hier raus.“ Ich sage: „Diese Entscheidung ist mir verdammt schwergefallen.“ Und meine genau das.
Ich hätte mir keinen besseren Teilzeit-Job ausmalen können als das Social Media Watchblog. Vor allem kann ich mir keinen angenehmeren Menschen und Mitstreiter vorstellen als Martin. Wir haben uns im Internet kennengelernt, sind Kollegen geworden – und dann Freunde.
(Wir haben unsere Teile unabhängig voneinander geschrieben. Vermutlich ist es kein Zufall, dass wir für diesen Part fast gleichlautende Formulierungen gewählt haben.)
Ich hatte richtiggehend Angst, Martin von meiner Entscheidung zu erzählen. Das lag nicht an unserer gemeinsamen Arbeit, sondern an unserer Freundschaft. Jetzt weiß ich, dass diese Sorge unbegründet war.
Wir werden nicht mehr frühmorgens telefonieren und überlegen, ob wir Musk ignorieren können, zum fünften Mal über Google Zero schreiben sollen oder doch schon wieder ein KI-Briefing brauchen.
Aber wir werden in Kontakt bleiben, einander Rat geben und gemeinsam Fahrrad fahren gehen. Das war mir das Wichtigste, darüber bin ich froh.
2. Mein Abschied ist auch eine Chance
Seit vielen Jahren treffen Martin und ich uns regelmäßig zu Klausuren in Göttingen oder Berlin. Immer wieder scheitern einige unserer radikaleren Strategieüberlegungen an einem vermeintlich simplen Problem: Wir haben zwei unterschiedliche Zielgruppen mit widersprüchlichen Bedürfnissen:
- Die eine Hälfte unserer Abonnent:innen liest den Newsletter in erster Linie wegen der Einordnungen und Analysen. Das Versprechen: Wenn du unser Briefing liest, verstehst du, warum etwas wichtig ist und was es bedeutet.
- Die andere Hälfte schätzt den kuratierten Nachrichtenüberblick. Der Anspruch: Wenn du dieses Briefing liest, erfährst du alles, was wichtig ist.
Zu zweit konnten wir beide User-Needs bedienen, indem wir uns das Briefing aufgeteilt haben. Allein ist das kaum noch möglich.
Ich bin überzeugt, dass Martin mit seinem Fokus auf Einordnung nur einen Schritt vorwegnimmt, den wir früher oder später auch gemeinsam gegangen wären.
KI kommodifiziert reine Informationen. Menschen folgen Menschen, weil sie deren Persönlichkeit und Expertise wertschätzen. Es gibt in Deutschland nur wenige Menschen, die den Wandel der digitalen Öffentlichkeit so lange und intensiv begleiten wie Martin. Wenn es jemand gibt, der sich mit seiner Expertise von KI abhebt, dann er.
3. Ich freue mich auf meine neue Aufgabe
Für die meisten Jobwechsel gibt es Push- und Pull-Faktoren. Bei meinem Abschied spielen ausschließlich Letztere eine Rolle.
Ich erhalte eine Möglichkeit, die in unserer Branche außergewöhnlich ist. Als Teil eines kleinen Gründungsteams werde ich in diesem Jahr ein neues Medium aufbauen. Wir werden uns keine thematische Nische suchen wie das Social Media Watchblog, sondern wollen eine Alternative zu den etablierten Angeboten der großen Verlage schaffen.
Dabei möchten wir einige Dinge radikal anders machen. Wir schalten keine Werbung, sammeln keine Daten und veröffentlichen keine Eilmeldungen. Der Journalismus wird ausschließlich von unseren Mitgliedern finanziert. Wir möchten ihnen helfen, die Welt besser zu verstehen, ihr Vertrauen gewinnen und wertschätzend mit ihrer Aufmerksamkeit umgehen. Deshalb veröffentlichen wir nur dann, wenn wir überzeugt sind, dass wir damit zum Erkenntnisgewinn beitragen.
Wir glauben, dass diese Werte ein gutes Fundament bilden. So haben aber schon viele Journalist:innen gedacht, die neue Produkte entwickelt haben – nur, um am Ende festzustellen, dass die Zielgruppe ganz andere Vorstellungen hat.
Deshalb werden wir bis Ende des Jahres mit Menschen in ganz Deutschland sprechen und fragen: Was ist guter Journalismus? Welche blinden Flecken haben wir als Medienmacher:innen? Wie müsste ein Produkt aussehen, das deinen Bedürfnissen entspricht?
So viel Zeit zu haben, ist ein großes Privileg. Mich begeistert die Vorstellung, gemeinsam mit unseren künftigen Mitgliedern den bestmöglichen Journalismus zu machen. Das Ziel ist ambitioniert und kann scheitern. Am Ende müssen wir genug Gründungsmitglieder finden, die unser Projekt unterstützen.
In einer Zeit, in der viele Verlage Stellen streichen und ihr Angebot verkleinern, ist das ein Risiko. Ich bin aber überzeugt, dass es viele Menschen in Deutschland gibt, die guten Journalismus wertschätzen und bereit sind, dafür Geld auszugeben. 2026 ist ein gutes Jahr, um etwas Neues zu beginnen.
Looking forward
Auch wenn sich das wie ein Abschied anhört: Vier Wochen bin ich noch Teil des Social Media Watchblogs. Ende März kann ich vermutlich Konkreteres über unser Projekt erzählen, das dann vielleicht auch schon einen Namen hat. Du erfährst es in diesem Newsletter.
Wenn du bis dahin Ideen hast oder mehr erfahren möchtest, freue ich mich über eine Nachricht: etwasneues@simon.berlin
Das Social Media Watchblog - kurz SMWB - beobachtet seit 2013, was Plattformen mit unserer Öffentlichkeit machen. Der Newsletter erscheint wöchentlich und ordnet ein, was die Entscheidungen von Meta, Google, TikTok und OpenAI für Gesellschaft, Medien und Politik bedeuten.